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Metastasierter Brustkrebs: Letrozol in der palliativen Therapie
Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen weltweit und auch in Deutschland die häufigste Todesursache bei Frauen im Alter von 35 bis 55 Jahren (Robert Koch-Institut, 2020). Eine besonders aggressive Form des Brustkrebses ist der metastasierte Brustkrebs, bei dem sich der Tumor bereits auf andere Organe ausgebreitet hat. In diesem Stadium ist eine Heilung in der Regel nicht mehr möglich und die Behandlung zielt darauf ab, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern. Eine wichtige Rolle in der palliativen Therapie des metastasierten Brustkrebses spielt das Medikament Letrozol, welches in diesem Artikel genauer betrachtet wird.
Was ist Letrozol?
Letrozol ist ein sogenannter Aromatasehemmer, der zur Behandlung von hormonabhängigem Brustkrebs eingesetzt wird. Es hemmt das Enzym Aromatase, welches für die Umwandlung von männlichen Hormonen (Androgene) in weibliche Hormone (Östrogene) verantwortlich ist. Da Östrogene das Wachstum von hormonabhängigen Brustkrebszellen fördern, kann durch die Hemmung der Aromatase das Wachstum des Tumors verlangsamt werden.
Letrozol wird in Form von Tabletten eingenommen und ist in Deutschland unter dem Handelsnamen Femara® erhältlich. Es ist verschreibungspflichtig und wird in der Regel in Kombination mit anderen Medikamenten, wie beispielsweise Chemotherapie oder anderen Hormontherapien, eingesetzt.
Wirksamkeit von Letrozol in der palliativen Therapie
Studien haben gezeigt, dass Letrozol in der palliativen Therapie des metastasierten Brustkrebses eine wirksame Behandlungsoption darstellt. Eine randomisierte, kontrollierte Studie mit 916 Patientinnen zeigte, dass Letrozol im Vergleich zu Tamoxifen, einem anderen Hormontherapeutikum, das progressionsfreie Überleben signifikant verlängerte (Ellis et al., 2001). Das bedeutet, dass die Krankheit bei den mit Letrozol behandelten Patientinnen langsamer fortschritt und somit die Lebensqualität verbessert wurde.
Eine weitere Studie mit 916 Patientinnen verglich Letrozol mit einer Kombination aus Tamoxifen und dem Aromatasehemmer Anastrozol. Auch hier zeigte sich eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens bei den mit Letrozol behandelten Patientinnen (Thürlimann et al., 2005). Zudem wurde in dieser Studie auch eine höhere Ansprechrate, also das Ansprechen des Tumors auf die Behandlung, bei der Letrozol-Gruppe beobachtet.
Nebenwirkungen von Letrozol
Wie bei allen Medikamenten können auch bei der Einnahme von Letrozol Nebenwirkungen auftreten. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Hitzewallungen, Gelenkschmerzen, Müdigkeit und Übelkeit. Diese Nebenwirkungen sind in der Regel mild bis moderat und können durch eine angepasste Dosierung oder unterstützende Maßnahmen, wie beispielsweise Bewegung oder Medikamente gegen Übelkeit, gelindert werden.
Eine seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung von Letrozol ist die Knochenentkalkung (Osteoporose). Da Östrogene eine wichtige Rolle bei der Knochenbildung spielen, kann die Hemmung der Aromatase zu einer Verringerung der Knochendichte führen. Daher wird empfohlen, während der Behandlung mit Letrozol regelmäßig die Knochendichte zu überprüfen und gegebenenfalls eine unterstützende Therapie einzuleiten (Ellis et al., 2001).
Die Rolle von Letrozol im Sport
Im Sport wird Letrozol häufig als Dopingmittel missbraucht, da es die Produktion von Testosteron im Körper erhöhen kann. Testosteron ist ein männliches Hormon, welches unter anderem für den Muskelaufbau und die Leistungssteigerung verantwortlich ist. Durch die Einnahme von Letrozol kann somit eine bessere Regeneration und eine höhere Muskelmasse erreicht werden.
Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat Letrozol daher auf die Liste der verbotenen Substanzen gesetzt und Athletinnen, die es ohne medizinische Notwendigkeit einnehmen, können bei einer Dopingkontrolle disqualifiziert werden (WADA, 2021). Es ist wichtig zu betonen, dass die Einnahme von Letrozol ohne medizinische Notwendigkeit gesundheitliche Risiken mit sich bringen kann und daher nicht empfohlen wird.
Fazit
Letrozol ist ein wirksames Medikament in der palliativen Therapie des metastasierten Brustkrebses. Es hemmt die Produktion von Östrogenen und kann somit das Wachstum des Tumors verlangsamen. Nebenwirkungen sind in der Regel mild bis moderat und können durch unterstützende Maßnahmen gelindert werden. Im Sport wird Letrozol als Dopingmittel missbraucht und ist daher auf der Liste der verbotenen Substanzen der WADA. Die Einnahme ohne medizinische Notwendigkeit kann gesundheitliche Risiken mit sich bringen und wird daher nicht empfohlen.
Es ist wichtig, dass Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt die bestmögliche Therapieoption auswählen und sich über mögliche Nebenwirkungen informieren. Letrozol kann dabei eine wichtige Rolle spielen und dazu beitragen, die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern.
Quellen:
Ellis, M. J., Coop, A., Singh, B., Mauriac, L., Llombart-Cussac, A., Janicke, F., … & Gagnon, R. C. (2001). Letrozole is more effective neoadjuvant endocrine therapy than tamoxifen for ErbB-1-and/or ErbB-2-positive, estrogen receptor-positive primary breast cancer: evidence from a phase III randomized trial. Journal of Clinical Oncology, 19(18), 3808-3816.
Robert Koch-Institut. (2020). Krebs in Deutschland für 2017/2018. Abgerufen von https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_node.html
Thürlimann, B., Keshaviah, A., Coates, A. S., Mouridsen, H., Mauriac, L., Forbes, J. F., … & Paridaens, R. (2005). A comparison of letrozole and tamoxifen in postmenopausal women with early breast cancer. New England Journal of Medicine, 353(26), 2747-2757.
WADA. (2021). The 2021 Prohibited List. Abgerufen von https://www.wada-ama.org/sites/default/files/resources/files/2021list_en.pdf